Moderation:
Prostitution wird salopp immer als das älteste Gewerbe bezeichnet,
so merkwürdig der Satz ist, ist doch was dran. Prostituierten
Organisationen in der Bundesrepublik haben sich gemeinsam mit Politikerinnen
und Politikern der rot-grünen Koalition auf ein moderneres Gesetz
für diesen Berufsstand geeinigt. Vor 5 Jahren trat es in Kraft,
die Nachfolgeregierung stellte die Auswertung, den Erfolg oder Misserfolg
gestern vor. Das Thema fällt in das Ressort der Bundesfamilienministerin,
sie ist von der CDU und ihre Bewertung klang nicht begeistert. Es
kommentiert Margit Miosga
Was erwartet die Öffentlichkeit eigentlich, was die Ministerin?
In läppischen 5 Jahren soll sich ein Arbeitsalltag ändern,
der so seit Jahrhunderten praktiziert wird? Prostitution hat es immer
gegeben, Prostitution war immer am Rande der Gesellschaft angesiedelt.
Den Rotlichtdistrikt gab und gibt es in jeder Stadt und auf dem Dorf
ist er eben nur ein Haus hinter dem Videoverleih. Trotzdem waren und
sind die Frauen Objekt von Verachtung und werden mitleidig oder gar
mit moralischer Überheblichkeit behandelt. Wir reden –
um das ganz deutlich zu sagen – von Frauen, die sich aus freiem
Willen prostituieren, die lieber in einem Massagesalon, in der eigenen
Wohnung, in einem Club oder auf der Straße anschaffen, als im
Supermarkt Regale aufzufüllen oder im Akkord Pralinen einwickeln.
Wir reden nicht von Zwangsprostitution. Und wir reden damit von Hundertausenden
von braven Familienvätern oder einsamen Männern, die täglich
diese Frauen aufsuchen, in der Mittagspause, auf der Dienstreise,
am Abend.
Das Gesetz entstand
aus einer Kooperation der rot-grünen Regierung und der Prostituierten
Organisationen. Es ist – wie alle Kompromisse – makelbehaftet,
aber es legalisiert Prostitution. Es nimmt den kriminellen Makel vom
Gewerbe und macht sozialstaatliche Errungenschaften, die für
alle Berufstätigen selbstverständlich sind, auch für
Huren erreichbar. Dass sich bisher nur 1% der Frauen mit der Berufsbezeichnung
Prostituierte versichern lassen, liegt sicherlich nicht daran, dass
sie nicht wollen, sondern daran, dass sie es sich um keinen Preis
leisten können, als Prostituierte bekannt, erkannt zu werden.....
Wegen der Nachbarn, der Familie, vor allem der Kinder. Können
Sie sich vorstellen, eine 10jährige kann in der Schule sagen.
Meine Mama schafft an?
Das Gesetz hatte
nie das Ziel, Frauen zum Aussteigen zu bewegen. Wohin sollen sie auch
aussteigen? Die beruflichen Aussichten sind – mal ganz zurückhaltend
formuliert – nicht sehr verlockend.
Auch wenn Prostitution kein Beruf ist wie Schuhverkäuferin oder
Abteilungsleiterin bei der BfA, so ist es doch eine Arbeit, die Frauen
aus unterschiedlichen Gründen ausüben wollen. Und da die
Marktwirtschaft gerade bei den Konservativen so hoch gehalten wird,
können die Frauen mit Recht sagen: der Markt ist da, das Geschäft
läuft, ich tue das lieber als manch anderen Job, bei dem ich
weniger verdiene.