
| Grundsätzliche
Gegner von Paysex sind
vor allem tonangebende Personen |
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| Letztere stellen alle ErotikdienstleisterInnen als fehlgeleitete, gebrochene Opfer hin, die sich entweder aus innerer Not, wie z.B. Drogenabhängige oder, wie Frauen aus Osteuropa, aus äusserer Not heraus selbst verkaufen und ihre Tätigkeit im Grunde ablehnen. Frauen, die dem widersprechen und ihre Selbstbestimmtheit unterstreichen, werden von feministischen Hardlinern meist kurzum der (Lebens-)lüge bezichtigt oder, wenn sich´s nicht anders bewerkstelligen lässt, zu exotischen Ausnahmen erklärt. So wird jede Auseinandersetzung mit der wirklich kompetenten Seite von vornherein vermieden. Diese
Feministinnen bringen keinerlei Erfahrungen aus der Mitte des Gewerbes
mit und können dessen gesamtes Spektrum nicht ansatzweise einschätzen.
In der Regel erfahren sie Genaueres nur über Problemgruppen, die
nur einen Teil des gesamten Erotikdienstleistungsgewerbes ausmachen.
Angehörige dieser Gruppen suchen sehr häufig Hilfe bei institutionellen
Organisationen. Deshalb sind Informationen über sie relativ leicht
zugänglich, während über sonstige Bereiche des Lustgewerbes
an Außenstehende, auch aufgrund von Berührungsängsten,
bisher wenig zuverlässiges Wissen vorgedrungen ist. Fatalerweise übertragen die feministischen Hardliner und manche SozialarbeiterInnen ihr Wissen über die Gruppe der drogenabhängigen oder psychisch instabilen Prostituierten, die sich selbst vorwiegend als Opfer erleben und daher mit respektvollen Freiern oft nichts anzufangen wissen, auf alle Facetten des Prostitutionsgewerbes und sehen in allen Erotikdienstleisterinnen Opfer von Männern, die sich aufgrund "dumpfer Anwandlungen" (Alice Schwarzer) eine Hure kaufen, um sie zu benutzen. Die vielen Frauen, die auch in der Prostitution keine Opfer sind und einfach nur in Ruhe und abgeschirmt vor einer breiten Öffentlichkeit ihrem Job nachgehen wollen, rücken erst gar nicht ins Blickfeld von Feministinnen der Fraktion Alice Schwarzer oder von Sozialarbeiterinnen wie z.B. Sabine Constabel. Wenn
solche Gegnerinnen des Prostitutionsgewerbes, wie am 13. 3. 2012 im
Rahmen einer Talkshow bei Sandra Maischberger
einer offensichtlich selbstbestimmten Prostituierten begegnen, erklären
sie diese mit großem Eifer und geradezu reflexartig zur einsamen
Ausnahme ohne Relevanz, offenbar um ihr Weltbild nicht zu gefährden. Wir
hier in Berlin sind eine große Zahl von Prostituierten, die mit
Zwang, Zwielicht oder gar (unterschwelligem) SklavInnentum so gar nichts
zu tun haben. Wir kennen uns untereinander und haben fast ausschließlich
Erfahrung mit Freiern, die erotische Paysex-Erlebnisse auf der Basis
von Konsens und gegenseitigem Respekt suchen und anscheinend einen Riesenbogen
um Erotikdienstleisterinnen machen, die die Vermutung zulassen, es könnte
sich z. B. um Abhängige, psychisch Labile oder Frauen handeln,
die unter ihrer Aufgabe als Lustbegleiterin leiden.
Viele
unserer Gäste erkundigen sich im Vorgespräch sehr genau nach
den Lebensumständen ihrer favorisierten Lustbegleiterin, um auf
keinen Fall mit
ihren sexuellen Wünschen in
die Not- oder Zwangslage einer Frau einzugreifen. Etwas
können wir jedoch mit Gewissheit sagen: Viele unserer selbstbestimmten
und ohne jegliche Not im Erotikgewerbe tätigen Kolleginnen kommen
inzwischen z.B. aus Osteuropa, besitzen gültige Arbeitspapiere,
studieren oder sind gut ausgebildet und teilweise auch tätig in
ihren "bürgerlichen" Berufen. Lustbegleiterin sind viele
oft nebenbei, weil es ihnen Spaß macht und/oder weil sie sich
über den Nebenverdienst freuen, genauso wie ihre unabhängigen
deutschen Kolleginnen.
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| SPIEGEL ONLINE 14. März 2012, 10:30 Uhr Maischberger-Talk zu Prostitution Ein Königreich für echte Fakten! Von Christoph Twickel Ein Beruf wie jeder andere - oder Unterdrückung der Frau? Bei Sandra Maischberger stritten sich die Gäste über das Thema Prostitution so leidenschaftlich wie lange nicht mehr. Vor allem Alice Schwarzer war in ihrem Furor kaum zu stoppen, auch nicht von so etwas Lästigem wie Fakten. Hui, da war Leben in der Bude! Und das ausgerechnet bei einem Thema, das im deutschen Talkshow-Geschäft seit Jahren als abgefrühstückt gilt: "Ob Billigsex oder Edelpuff: Schafft Prostitution ab!" Klingt nach neunziger Jahre? Lockt keinen mehr hinterm Ofen hervor? Pustekuchen! Bei Sandra Maischberger fielen sich die Gäste so leidenschaftlich ins Wort, als gäbe es "Schreinemakers live" noch und Klaus Kinski diskutiere mit Karin Struck über Abtreibung. Tatsächlich hatte die Moderatorin eine Gästeschar um sich versammelt, deren Zusammensetzung schwer an die Neunziger erinnerte: Da gab's den braungebrannten Jürgen Rudloff, Betreiber des Mega-Puffs "Paradise" in Stuttgart, die selbstbewusste Prostituierte Kyra, die Sozialarbeiterin Sabine Constabel, den Grünen-Politiker Volker Beck - und? Fehlt da nicht jemand? Alice Schwarzer natürlich! In der zweiten Hälfte gesellte sich noch eine verheiratete Frau namens Regina Braun dazu, deren Ehe durch die Bordellbesuche ihres Mannes eine schwere Krise zu durchstehen hatte: "Da werden Familien zerstört, weil es so einfach ist in Deutschland, ins Bordell zu gehen." Das war Talkshow wie früher! Gäste aus dem Milieu, Betroffene, Praktiker, ein Politiker und die "Emma"-Herausgeberin als unwidersprechliche Kämpferin wider die Unterdrückung der Frau. Das Problem: Die Gegenwart des Gewerbes, über das zu diskutieren war, passte so gar nicht zur Besetzung der Talkrunde, worüber denn auch bald weitgehend Einigkeit herrschte. Die Sozialarbeiterin erklärte, die blonde Kyra, die von ihrem unabhängigen, auskömmlichen Hurendasein berichtete, könnte keinesfalls als repräsentativ gelten, denn etwa 80 Prozent der Prostituierten seien nichtdeutsch, die meisten kämen aus Osteuropa. Hier hätte Maischberger der Informationspflicht halber mal fallen lassen können, dass es keine repräsentativen Studien zum Thema gibt, dass solche Daten also Schätzungen sind. Dennoch: Kyra mochte gerne zugestehen, dass sie die Ausnahme von der Regel ist. Und auch der reichlich defensive Grüne Beck widersprach nicht, als Constabel erklärte, das unter Rot-Grün verabschiedete Prostitutionsgesetz sei auf die autonome deutsche Prostituierte zugeschnitten - und trage damit nicht den prekären Verhältnissen Rechnung, unter denen die nichtdeutsche Mehrzahl der Prostituierten heute in Deutschland arbeiteten. Grüne als Prostitutions-Vorreiter? Beck kam kaum dazu, einzuwenden, dass Migrantinnen auch in "haushaltsnahen Tätigkeiten" schlimme Ausbeutungsverhältnisse zu ertragen haben - da fuhr ihm Alice Schwarzer vehement über den Mund. Der Vorwurf: Die Grünen hätten Prostitution zu einem "Beruf wie jeden anderen" machen wollen, und auch die Rede von der "sexuellen Dienstleistung" sei der nackte Zynismus, denn in Wahrheit gehe es überhaupt nicht um Sex: "Es geht um Macht." Sprich: Die Talkrunde kam über das empörte Durcheinandergeschnatter nicht hinaus, weil niemand zugegen war, die oder der Alice Schwarzer hätte Paroli bieten können. Bedauerlicherweise - denn die Law-and-Order-Position der "Emma"-Chefin zur Prostitution hat in Fachkreisen immer wieder heftigen Widerspruch provoziert und ist auch unter Feministinnen umstritten. Bei Maischberger aber konnte Schwarzer relativ unwidersprochen die "Ächtung" der Prostitution fordern, Menschenhandel und Prostitution für "untrennbar miteinander verbunden" und Deutschland zur "Drehscheibe des Menschenhandels" erklären. Schützenhilfe bekam sie von Frau Constabel, die, legitimiert durch zwei Jahrzehnte Sozialarbeit beim Gesundheitsamt Stuttgart, zu berichten wusste, osteuropäische Prostituierte würden von ihren daheimgebliebenen Familien "wie ein EC-Automat" angesehen. So gab es im Verlauf der Sendung eine Menge krasse Sprachbilder für den Umstand, dass das Wohlstandsgefälle zwischen Deutschland und den östlichen EU-Ländern sich auch auf dem Markt für sexuelle Dienstleistungen zeigt. Den bedenkenswertesten Satz über die armen osteuropäischen Frauen, zu deren Schutz Alice Schwarzer die Prostitution verbieten lassen will, sagte die deutsche Kollegin Kyra: "Die bringen diese Probleme ja schon mit, die sehen die Prostitution als Ausweg, da rauszukommen." Dabei zeigen Sperrgebiets- oder Kontaktverbotsverordnungen für Freier schon heute, dass Illegalisierung vor allem dazu führt, dass Sexarbeit von öffentlichen Orten in dunkle Gewerbegebiete oder Hinterzimmer abwandert, was die Situation der Frauen nicht eben verbessert. Volker Beck mühte sich etwas halbherzig, Schwarzer dieses Argument entgegenzuhalten - doch eine ernsthafte Debatte kam nicht zustande. Stattdessen gab's kindische Polemiken wie "Gehen Sie doch einfach mal an den Bahnhof, Herr Beck!" Und am Ende waren sich die durch den Bordellbesuch des Mannes tief verletzte Frau Braun und Alice Schwarzer einig: Wären sexuelle Dienstleistungen verboten und geächtet, wäre der Gatte brav zu Haus geblieben. "Ihr Ehemann wäre vermutlich nicht ins Bordell gegangen", so Schwarzer. "Er lebt aber in einem Land, wo es heißt: Wieso, es ist doch nichts dabei!" Ein Königreich für einen Faktencheck! |
| DIE WELT Seit 1.
Januar 2002 ist Prostitution per Gesetz in Deutschland nicht mehr sittenwidrig.
Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der bündnisgrünen
Bundestagsfraktion, zählte zu den Initiatoren der Bestimmung, die
den Prostituierten mehr Rechte wie eine gesetzliche Krankenversicherung
einräumt. Auch die soziale Situation der Frauen sollte damit verbessert
werden. Dienstagabend bekannte er bei Maischberger: "Das Gesetz
ist auf halbem Wege stehen geblieben. Die Feministin
Alice Schwarzer vertrat ihr 70er-Jahre-Bild und forderte die Abschaffung
des ältesten Gewerbes der Welt sowie die Bestrafung von Freiern,
denn "Prostituierte sind ungeschützter denn je." Sie
sprach vor allem von Menschenhandel, verglich diesen mit dem Sklavenhandel
und sprach während der anderen Gesprächsbeiträge ausfallend
dazwischen. Irgendwann platzte es aus Maischberger heraus: "Wo
ist Ihr Punkt, Frau Schwarzer?" Prostitution sei ein "hochkriminelles
Milieu", so die Feministin. Die Prostitutions-Kritikerin
Sabine Constabel war alles andere als begeistert von dem Hotel-Vergleich:
"Kennst Du die Preise als erste Frage?" Sie hätte in
ihrer 20-jährigen Tätigkeit als Sozialarbeiterin mit tausenden
Prostituierten gesprochen. Die meisten in dem Gewerbe seien arme Osteuropäerinnen
mit niedrigem oder keinem Bildungsabschluss, aber drei Kindern, denen
sie "das Geld so, wie sie es kriegen, nach Hause schicken".
Für ihre Freier würden diese Frauen "ein Stück Fleisch
mit einem Loch" bedeuten. Da würde keine auf ihre Rechte beharren:
"Das Gesetz war noch nie tauglich." http://www.welt.de/fernsehen/article13920372/Huren-zwischen-Sklavenhandel-und-Wellness-Puff.html
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