Für selbstbestimmte
Prostitution! Gegen Freierbestrafung in Schweden
und weltweit! Respekt zwischen Freier und Hure! Alice Schwarzer
und EMMA kommen aufgrund fehlenden Expertenwissens zu falschen
Einschätzungen! Fair Paysex gegen Zwangsprostitution,
Ausbeutung und Zuhälterei! - Selbstbewusste Huren gegen
alte Zuhälter-Muster und gegen die Vorurteile fundamentalistischer
Feministinnen! - Nicht Feminismus light, wie
Alice Schwarzer es nennt, sondern Feminismus, der sich die
Tatsachen nicht nach ideologischen Mustern zurechtbiegt, wie es die fundamentalistisch-feministische
Seite tut.
Aufgrund solcher Zurechtbiegungen der Realitäten kommt Alice Schwarzer
zu dem Schluss: Prostitution sei keine Promotion für Frauen.
Prostitution schade auch Männern. Prostitution solle abgeschafft
werden.
Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sprach Frauenrechtlerin Alice Schwarzer über brachiale Gewalt im Rotlichtmilieu, das Prostitutionsgesetz und "Sexfabriken". Schon 1993 berichtete "Emma" erstmals über besonders abhängige und ausgelieferte Prostituierte aus Osteuropa, die es zweifellos auch gibt. Denen aber, wie sich in Schweden deutlich zeigt, durch Änderung des Prostitutionsgesetzes und Einführung von Freierbestrafungen nicht zu helfen ist. Im Gegenteil: In Schweden wurde die Zwangs- und Elendsprostitution seit der Einführung der Freierbestrafung in den Untergrund verdrängt, wo die Prostituierten den Menschhändlern und Zuhältern schutzloser denn je ausgeliefert sind.
Auf die
Frage, ob man davon ausgehen kann, dass Prostituierte
aus Rumänien und Bulgarien fast immer von Menschenhändlern
auf den Strich gebracht worden, antwortete Alice Schwarzer:
Die Frauen seien Opfer brachialer oder psychischer Gewalt. Deshalb durchschauten
sie manchmal selber ihre Abhängigkeit nicht, ganz wie geschlagene Ehefrauen.
- Richtig, diese Frauen gibt es. Jedoch behandelt Alice Schwarzer
die vielen Frauen, (nach unserer Einschätzung die überwiegende
Mehrzahl) die ganz auf eigene Faust und sehr selbstbewusst aus Osteuropa
nach Deutschland kommen, um als Prostituierte zu arbeiten,
und die für die angestrebte Tätigkeit aufgrund des Prostitutionsgesetzes
gute und liberale Bedingungen vorfinden, als nicht existent.
Alice Schwarzer behauptet, "Experten" gingen davon aus, dass in Deutschland etwa 80 Prozent aller Frauen in der Prostitution aus dem Ausland kommen.
Im Spiegel-online
berichteten auch Anna Reimann und Marie
Preuß über den Straßenstrich mit
Dumpingpreisen, Zuhälter aus Osteuropa
und ein Großbordell: In Berlin drohe ein ganzer
Kiez ins Elend der Billigprostitution abzugleiten wegen
eines Grossbordells (, dem in der
Kurfürstenstr. vom Bauamt die Genehmigung nicht verweigert werden konnte).
- Wir sehen darin eine Folge einer verfehlten Bauplanungspolitik, die, übrigens
nicht erst seit der Einführung der deutschen Prostitutionsgesetze,
sondenr auch schon davor, Bordelle, auch Grossbordelle
in städt. Kerngebieten erlaubte, während kleine, meist für Mitbewohner
und Passanten unbemerkbare kleine Wohnungsbordelle, wo
die Prostituierten in der Regel gute und liberale Tätigkeitsbedingungen
vorfinden, in Wohn- und Mischgebieten grundsätzlich nicht erlaubt waren.
.Fatalerweise übertragen die feministischen Hardliner ihr Wissen über die Gruppe der drogenabhängigen und psychisch instabilen Prostituierten, die sich selbst vorwiegend als Opfer erleben und daher mit respektvollen Freiern oft nichts anzufangen wissen, auf das gesamte Gewerbe und sehen in allen Erotikdienstleisterinnen Opfer von Männern, die sich aufgrund "dumpfer Anwandlungen" (Alice Schwarzer) eine Hure kaufen, um sie zu benutzen.
Für selbstbestimmte Erotik-Dienstleisterinnen ist die Bezeichnung "Prostituierte" nicht adäquat.
"Sexkauf", "Trafficking" sind Begriffe, die in Schweden und von den feministischen Fundamentalistinnen benutzt werden.
Über Prostitution
diskutiert man am liebsten ohne die Prostituierten. Das hat für beide Seiten,
die öffentlich Unbefleckten und die Damen des Gewerbes, denselben Vorteil:
Es ist bequem.
Meiner Seite, den Prostituierten, kommt diese Bequemlichkeit nun teuer zu stehen.
Auf unserem Schweigen ist nicht unsere Akzeptanz gewachsen, sondern unser Missverständnis.
EMMA, „die Zeitschrift von Frauen für Menschen“, feierte ihren
30. Geburtstag mit einem Prostitutionsdossier, das nicht nur methodisch blamabel
und inhaltlich falsch ist, sondern auch mich, als eine Prostituierte von vielen,
persönlich beleidigt.
Das Dossier ist geschickt in der medial viel beachteten Geburtstagsausgabe platziert.
Prostitution und ihre politische Behandlung sind EMMA einer der letzten großen
Dornen im Auge. Alice Schwarzer verkündete, als Altersgeschenk Deutschland
die Abschaffung der Prostitution schenken zu wollen. Zwischen prominenten Glückwünschen
aller journalistischen und politischen Ränge und Namen, mitten in die Takte
der Festmusik und die euphorischen Rückblicke auf das bereits Erreichte
setzt EMMA eine laute Wehklage auf die Vergewaltigung der Weiblichkeit in der
Prostitution.
Inhaltliche Grundlage für den ersten Artikel des als zweiteilig angekündigten
Dossiers ist der Besuch von Alice Schwarzer und Bettina Flitner bei der Berliner
Domina Ellen Templin. Diese Frau sagt: “Eine Frau, die sich prostituiert,
hatte schon vorher eine zerstörte Seele.“ Und EMMA nickt beifällig,
indem sie dieses Zitat noch einmal fett zwischen die Zeilen setzt.
Neun Seiten später zerrt EMMA mit Suggestivfragen und übereifriger
Interpretation aus einem Interview mit dem Hamburger Hauptkommissar Detlef Ubben
die Aussage heraus, es gebe keinen Unterschied zwischen einer „Prostituierten“
und einer „Zwangsprostituierten“. Gezwungen seien wir alle. Wenn
ich mich nicht so fühle, täusche ich mich.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich EMMA mit ihrer Prostitutionsdarstellung
sowohl handwerklich als auch inhaltlich disqualifiziert hat.
Der ideologische Eifer der EMMA muss die Realität zensieren und Scheuklappen
entwickeln, weil die Wirklichkeit ihre theoretische Haltung nicht stützen
kann.
EMMA stört
das wenig. Sie zitiert ihn: „95% aller Prostituierten in Deutschland sind
Zwangsprostituierte.“ Das ist falsch. Ich warte nicht mit neuen Zahlen
auf, weil auch ich nur einen Ausschnitt der Prostitution kenne. Aber auch danach
kann ich sagen, dass die Einschätzung von 95% zu hoch gegriffen ist. ***
Überdies ist der inflationäre Gebrauch des Begriffes „Zwangsprostitution“
kontraproduktiv. Indem die freiwillige Prostituierte sprachlich gleichgeschaltet
wird mit einem tatsächlich hilfsbedürftigen Opfer von Menschenhandel,
wird das Verbrechen, einen Menschen zur Prostitution zu zwingen, indirekt verharmlost,
weil die Sensibilität für die Brisanz und Dimension dieser Menschenrechtsverletzung
sinkt.
Diese inhaltliche Gewalt zum Thema ergibt sich aus EMMAs Prämisse, Prostitution
sei grundsätzlich ein Ausdruck patriarchaler Gewalt und sowohl Symptom
als auch Instrument der Unterdrückung weiblicher Sexualität im Speziellen
und damit der Frauen im Allgemeinen. Dass diese Theorie viel zu kurz greift,
liegt auf der Hand. Sie bezieht sich ausschließlich auf die weibliche
heterosexuelle Prostitution und berücksichtigt nicht die lesbische, schwule
und die männliche heterosexuelle Dienstleistung. Darüber hinaus verschweigt
sie die verschiedenen Spielarten innerhalb der weiblichen heterosexuellen Prostitution,
die z.B. in weiblich-dominanten Inszenierungen keine traditionellen, patriarchalischen
Geschlechterentwürfe abbilden.
Die grundsätzliche Unterstellung, Prostitution sei frauenfeindlich, ist
auf mehreren Ebenen angreifbar. EMMA leitet aus der Überzeugung, die Idee,
„einen Menschen zu kaufen“, sei eine an sich schon verworfene, ab,
die Prostitution könne sich also auch konkret niemals akzeptabel gestalten.
Die theoretische Überschrift ignoriert, dass sich darunter sehr wohl, in
der arglosen Praxis, einzelne Schicksale gut einrichten können. Zum Zweiten
manövriert sich EMMA selbst in ein Paradoxon, indem sie sich mit der Tatsache
konfrontiert sieht, dass in einem so frauenfeindlichen Beruf sehr viele Frauen
arbeiten. Dieser Konflikt kann nur zu Ungunsten der Prostituierten gelöst
werden, auf Kosten ihrer Selbstreflexion und Lebensfähigkeit. Letzten Endes
auf Kosten ihrer Würde. Denn nur Opfer sind so unterdrückt und zerstört,
sind sich so wenig im Klaren über ihre wahren Motivationen, usw., dass
sie eine Situation tragen, die sie verachtet. EMMA kann ihre Theorie nur halten,
indem sie alle Prostituierten als Opfer abstempelt. Das ist mehr als ein beleidigendes
Klischee. Es ist eine gefährliche Unterstellung, weil es einer echten Diskussion
und Mitteilung seitens der Prostituierten entgegenarbeitet.
Darüber hinaus: Gehen wir EMMA zuliebe mal von nur 5% freiwilligen Prostituierten
aus. Und von 400.000 Prostituierten deutschlandweit. Dann arbeiten deutschlandweit
20.000 Prostituierte, die nicht aussteigen möchten. Das ist immer noch
eine Größenordnung, die eine Theorie nicht ausblenden kann. (2004
schätzte die UNO deutschlandweit 200.000 freiwillige Prostituierte, ebenso
existieren Schätzungen von 280.000, wobei unterschiedliche Definitionen
von Zwangsprostitution eine Rolle spielen mögen.) Wie funktionieren diese
Frauen? Sind sie noch zerstörter als jene 95%, die sich wenigstens im Klaren
darüber sind, dass sie aussteigen wollen? Sind die 5% die wahren Opfer,
besinnungslos vor Elend? Man muss zynisch sein, um das zu behaupten.
Auch nach Alice Schwarzer wären es also 20.000 Frauen, die zufrieden in
der Prostitution arbeiten. Diese Frauen fühlen sich nicht deshalb nicht
unterdrückt, weil sie zerstörte Seelen haben, sondern weil sie nicht
unterdrückt werden. Sie allein bestimmen, wann sie wie lange mit wem was
machen. Die vier Kriterien, die Art, die Dauer, den Umfang und das Gegenüber
selbst zu wählen, garantieren, dass das sexuelle Selbstbestimmungsrecht
der Frau nicht angetastet wird.
Ich habe mich freiwillig für das Experiment meiner Prostitution entschieden
und diese Arbeit fortgesetzt, weil sie mir gefällt. Ich wurde weder sexuell
missbraucht noch seelisch zerstört, bin nicht drogenabhängig, nicht
sexsüchtig, nicht einmal frigide. Ich hatte noch nie einen Zuhälter,
niemand hat mich verkauft.
Das Wichtigste daran ist: Ich bin mit dieser Situation nicht allein. Viele Frauen
erleben ihre Prostitution nicht als einen Niedergang, sondern als Ausdruck ihrer
sexuellen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Allen theoretischen Untergangsphantasien
zum Trotz: als einen Höhenflug ihrer Freiheit.
EMMA stellt nicht nur meine Seite, die Prostituierten, zu einseitig dar, sondern
auch die Freier. Sie garniert das Dossier mit „Originalzitaten aus dem
Internet“, d.h., sie zitiert Freier, die sich in einschlägigen Onlineforen
über ihre Erfahrungen austauschen. Kein Wort darüber, dass diese Erfahrungen
von den Männern ganz einfach erfunden sein können, dass journalistische
Skepsis gerade gegenüber dem Medium Internet angebracht ist, dass die Auswahl
notwendig rein subjektiv geschehen musste. Auf einer höchst instabilen
empirischen Grundlage wird die Botschaft vermittelt, alle Freier seien sadistische
Sexmonster. Das ist falsch. EMMAs viel bemühte These, „der Freier“
suche nicht Sex, sondern Macht, ist zu glatt, um wahr zu sein. Wieder einmal
verweigert sich das Thema Prostitution einer pauschalen Theorie und dem ideologischen
Überbau, sie sei wahlweise Ausdruck sexueller Gewalt oder Befreiung. Meine
eigene Erfahrung bietet mir kein einziges Beispiel für einen rücksichtslosen
Freier.
EMMA hat sich eingeschossen auf einige hochgepeitschte Gespenster. Der Zuhälter
ist auch eine undifferenzierte Figur. Über Ausbeutung muss ich hier nicht
reden. Ich habe meinem Verständnis nach keinen Zuhälter, dennoch verdient
auch noch eine andere Frau an meiner Arbeit, die Chefin meines Bordells. EMMA
würde diese Konstellation als Zuhälterei beschreiben. In Wahrheit
ist ein Mensch, der die Räume und Arbeitsutensilien stellt, der die Vermittlung
organisiert und in schwierigen Situationen sofort da ist, aber die notwendige
Voraussetzung dafür, dass ich sicher in der Prostitution arbeiten kann.
Es geht wieder einmal nicht um das Ob – es geht um das Wie. Ich werde
von niemandem ausgenutzt und alle Freiheiten und Rechte bleiben bei mir.
Ich behaupte damit nicht, das sei immer so. DIE Prostitution gibt es nicht.
Sie hat so viele Realitäten und Gesichter, wie ihr Menschen begegnen. Alles
hängt davon ab, wo man hinhört. Um sich aber qualifiziert über
sie äußern zu können, muss man überall hinhören.
* Gegenüber dem Bundesverband sexuelle Dienstleistungen e. V. nannten für den Bereich Prostitution zuständige Verteter des Landeskriminalamts Berlin folgende Schätzungen:
5
% der in
Berlin in der Prostitution tätigen Frauen werden dazu gezwungen.
Weitere 5 - 10 % der
sex. Dienstleisterinnen wollten zwar aufgrund eigener Entscheidung als Prostituierte
arbeiten, sind dabei jedoch (z.
B. aufgrund von Drogenabhängigkeit oder Verliebtheit in einen Mann mit
Eigeninteressen ...) in Verhältnisse geraten, in denen sie sich
nicht wohl fühlen und aus eigener Kraft nicht mehr heraus finden.
Demzufolge üben bisher 85 - 90 % der Prostituierten
in Berlin ihre Tätigkeit vollkommen freiwillig aus und arbeiten ohne Zuhälter!
Sie haben die Möglichkeit, die Tätigkeit jederzeit zu beenden.